Wenn du dir die ersten 100 Tage von Friedrich Merz als Bundeskanzler anschaust, fällt auf: Die Regierung startete mit großen Versprechen, aber schon nach kurzer Zeit steckte sie in ernsten Schwierigkeiten.
Nach 100 Tagen Schwarz-Rot sieht man keinen Politikwechsel, sondern eine Koalition, die an handwerklichen Fehlern, offenen Finanzfragen und wachsendem Vertrauensverlust leidet.

Merz gab offen zu, dass die Regierung dem eigenen Anspruch hinterherhinkt. Das ist ehrlich, aber sicher kein Zeichen von Stärke.
Wer nach der Wahl verspricht, dass die Bürgerinnen und Bürger schon im Sommer Veränderungen spüren, muss sich daran messen lassen.
Hier geht’s um die konkreten Schwächen der Regierung, warum CDU, CSU und SPD so schnell aneinandergeraten sind und was das für die kommenden Jahre bedeuten könnte.
Der Fehlstart der Regierung

Schon bevor erste Gesetze auf den Weg kamen, lag politischer Ballast auf Merz’ Schultern. Kommunikationsprobleme, fehlende Abstimmung und öffentliche Streitereien prägten das Bild von Anfang an.
Holpriger Amtsantritt und beschädigte Autorität
Merz trat am 6. Mai 2025 an und wollte nach den Ampel-Jahren ruhig und effektiv regieren. Schon nach kurzer Zeit zeigten sich Risse.
Jens Spahn, Unionsfraktionschef, gestand öffentlich ein, dass die Koalition bei der Kommunikation noch viel zu tun hat. Solche Aussagen direkt nach dem Start schaden dem Bild einer handlungsfähigen Regierung.
Warum die ersten 100 Tage politisch so wichtig sind
Die ersten 100 Tage gelten irgendwie als Lackmustest für Tempo und Richtung. In dieser Zeit muss eine Regierung zeigen, dass sie ihre Versprechen ernst meint.
Bei Merz gingen interne Debatten und öffentlicher Streit schnell nach vorne los. SPD-Fraktionschef Matthias Miersch meinte sogar, die Zusammenarbeit habe „an der einen oder anderen Stelle nicht gut funktioniert“.
Zwischen Erwartungsdruck und schneller Ernüchterung
Nach der Ampel-Koalition waren die Erwartungen an Schwarz-Rot enorm. Viele hofften auf Stabilität und Handlungsfähigkeit.
Die Koalition brachte zwar etwa 60 Gesetzesvorhaben auf den Weg, fiel aber vor allem durch Pannen und Zank auf. Die AfD warf Merz vor, viele Baustellen aufzumachen, aber nichts fertig zu bekommen – ein Vorwurf, der irgendwie trifft.
Wirtschaftswende ohne durchschlagende Wirkung

Merz erklärte die Wirtschaftswende zum Kernprojekt seiner Regierung. Doch zwischen Ankündigungen und spürbarer Wirkung klafft eine Lücke, wie Ökonomen und Wirtschaftsverbände nach 100 Tagen feststellen.
Investitionsversprechen und die Realität der Wirtschaft
Merz hob das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur hervor und behauptete, Deutschland investiere wieder. Die Stimmung in der Wirtschaft habe sich „langsam“ verbessert, sagte er selbst.
Gerade dieses „langsam“ ist bezeichnend. Ökonomen und Verbände kritisierten, dass die Regierung bisher wenig geliefert hat. Für Unternehmen änderte sich spürbar kaum etwas.
Stromsteuer, Abschreibungsmöglichkeiten und verpasste Entlastung
Stromsteuer und bessere Abschreibungsmöglichkeiten sollten Unternehmen entlasten. Beide Maßnahmen kamen aber nur schleppend voran und sorgten für Streit, besonders zwischen CDU und SPD.
Unternehmen warten weiter auf Planungssicherheit. Die ungelöste Gasspeicherumlage belastet energieintensive Betriebe zusätzlich.
Bürokratieabbau und Datenschutz als ungelöste Standortprobleme
Bürokratieabbau und Datenschutzreformen stehen weiter auf der Agenda. Beide Bereiche gelten als riesige Standortprobleme.
Nach 100 Tagen gibt’s hier kaum Fortschritte. Verbände bemängeln, dass strukturelle Veränderungen fehlen. Ohne echte Reformen bleibt Deutschland für Investoren nicht wirklich attraktiv.
Haushalt, Schulden und die Grenzen der Koalition
Beim Bundeshaushalt krachen die Gegensätze der Koalition voll aufeinander: CDU und CSU fordern Disziplin, die SPD will mehr staatliche Ausgaben.
Bundeshaushalt unter Zeitdruck
Der erste Haushalt unter Merz ist mit rund 502 Milliarden Euro ein Rekord. Wegen der gescheiterten Ampel-Aufstellung blieb wenig Zeit für Details.
Viele Prioritäten blieben vage. Die Verteilung der Gelder ist politisch umstritten.
Schuldenbremse und neue Finanzierungskonflikte
Die Schuldenbremse bleibt ein Dauerbrenner. CDU und CSU bestehen darauf, die SPD will mehr Spielraum.
Das Sondervermögen für Infrastruktur und Verteidigung soll den Konflikt entschärfen. Kritiker sagen aber, das verschiebt nur die Schulden, statt das Problem zu lösen.
Warum zentrale Zusagen unter Finanzierungsvorbehalt stehen
Viele Versprechen im Koalitionsvertrag stehen unter Finanzierungsvorbehalt. Sie gelten also nur, wenn die Kasse es hergibt.
Mit den aktuellen Finanzierungslücken ist das ein echtes Risiko. Nicht eingelöste Versprechen kosten Vertrauen – und das ist jetzt besonders knapp.
Sozialpolitik als Belastung statt Reformsignal
In der Sozialpolitik blockieren sich Merz und die SPD gegenseitig: Merz will sparen, die SPD will Leistungen schützen.
Rentenpaket zwischen Haltelinie und Mehrkosten
Das Rentenpaket soll das Rentenniveau stabil halten. Klingt gut, kostet aber Milliarden, die im Haushalt kaum auftauchen.
Merz hat die Bürger auf „harte Einschnitte“ vorbereitet – das passt nicht zu den Rentenversprechen. Diese Spannung bleibt ungelöst.
Mütterrente als Symbolpolitik mit hohem Preis
Die Mütterrente, von Söder und der CSU forciert, ist ein teures Versprechen. Der Nutzen bleibt auf eine bestimmte Gruppe beschränkt.
Kritiker nennen das Symbolpolitik, die den Haushalt belastet. Die SPD steht dazu, muss aber erklären, wie sie soziale Gerechtigkeit sichern will.
Rentenpolitik ohne Antwort auf den demografischen Druck
Der demografische Wandel bleibt das eigentliche Problem. Deutschland wird älter, Beitragszahler werden weniger, Rentner mehr.
Die aktuelle Rentenpolitik von Schwarz-Rot liefert darauf keine echte Antwort. Kurzfristig mögen stabile Renten beliebt sein, langfristig geht das so nicht auf.
Migration und Außenpolitik: Sichtbar, aber umstritten
Migration und Außenpolitik sind die Felder, in denen Merz am präsentesten wirkt. Hier zeigt sich aber auch, wo seine Grenzen liegen.
Die Migrationspolitik zwischen Härte und begrenzter Wirkung
Merz versprach im Wahlkampf eine härtere Migrationspolitik: Grenzkontrollen, Zurückweisungen, mehr Befugnisse für die Bundespolizei. Das Sofortprogramm setzte das um.
Die öffentliche Debatte wurde durch Merz’ eigene Aussagen, etwa zur „Stadtbild“-Diskussion, belastet. Das schadete seinem Image und lenkte vom eigentlichen Thema ab.
Merz als außenpolitisch präsenter Kanzler
Außenpolitisch tritt Merz deutlich aktiver auf als innenpolitisch. Er stellt Deutschland als „verlässlichen Partner“ dar, investiert in die Bundeswehr und sucht den Dialog.
Hier überzeugt er, selbst Kritiker gestehen ihm außenpolitische Stärke zu.
Warum Außenpolitik innenpolitische Defizite nicht verdeckt
Außenpolitik ist wichtig, aber sie löst keine innenpolitischen Probleme. Wirtschaftliche Schwäche, Haushaltslücken und Koalitionsstreit betreffen die Menschen direkt.
Eine aktive Außenpolitik überdeckt innenpolitische Schwächen höchstens kurzfristig. Wer die Lebensumstände im Land verbessern will, muss im Inland liefern.
Kommunikationsfehler und Machtkämpfe in Schwarz-Rot
Neben den Sachthemen stolpert Schwarz-Rot immer wieder über Kommunikationsfehler. Interne Machtkämpfe landen zu oft in der Öffentlichkeit.
Streit über Stromsteuer und Prioritäten
Der Streit um die Stromsteuer zeigt das Problem: CDU und SPD hatten unterschiedliche Vorstellungen von Tempo und Umfang.
Solche Debatten sind in Koalitionen normal. Wenn sie aber öffentlich eskalieren, wirken sie chaotisch und machen die Regierung schwer vermittelbar.
Die Rollen von Lars Klingbeil, Jens Spahn und Markus Söder
Lars Klingbeil, als Vizekanzler und SPD-Chef, muss die sozialen Interessen seiner Partei vertreten. Dabei darf er die Koalition nicht blockieren.
Das ist ein ziemlich schmaler Grat. Bisher hat er diesen Weg nicht immer überzeugend gemeistert – das merkt man einfach.
Jens Spahn hat als Unionsfraktionschef offen zugegeben, dass es Kommunikationsprobleme gibt. Das war ehrlich, aber zeigt auch, dass die Abstimmung innerhalb der Koalition noch nicht klappt.
Und Markus Söder? Er nutzt seine Rolle als CSU-Chef, um eigene Akzente zu setzen. Dadurch wirkt die Linie der Bundesregierung manchmal ziemlich unscharf.
Wie mangelnde Abstimmung Vertrauen kostet
Wenn Koalitionspartner unterschiedliche Signale senden, verliert die Regierung an Glaubwürdigkeit. Wählerinnen und Wähler fragen sich dann, wer eigentlich die Richtung vorgibt – und ehrlich gesagt, das ist verständlich.
Politikwissenschaftler werfen Merz mangelnde „administrative Erfahrung“ vor. Ein Kanzler, der noch lernen muss, wie Regierungskoordination funktioniert, zahlt dafür öffentlich einen Preis.
Der Abstand zwischen Koalitionsvertrag und Umsetzung
Im Koalitionsvertrag stehen viele große Versprechen: Wirtschaftswende, Bürokratieabbau, stabile Renten, geregelte Migration, sichere Finanzen. Nach 100 Tagen sind diese Ziele zwar angestoßen, aber wirklich vorangekommen ist bisher kaum etwas.
60 Gesetzesvorhaben hat die Regierung immerhin auf den Weg gebracht. Aber ganz ehrlich: Viel hilft nicht immer viel, und viele der wichtigsten Zusagen stehen noch unter Finanzierungsvorbehalt.
Was die schwachen Umfragewerte über die Lage aussagen
Die Zustimmungswerte für Merz und die Bundesregierung sind nach 100 Tagen deutlich gesunken. AfD, Grüne und Linke ziehen jeweils ihre eigene, aber durchweg negative Bilanz.
Historisch niedrige Umfragewerte nach nur einem Jahr im Amt sind schon ein ziemlich ernstes Warnsignal. Offenbar erfüllt die Koalition die Erwartungen der Bevölkerung einfach nicht.
Welche Risiken jetzt für Merz und die Bundesregierung wachsen
Die Landtagswahlen 2026 kommen näher. Schlechte Umfragewerte setzen alle Parteien unter Druck.
Koalitionsprobleme sind deutlich sichtbar. Jede Partei neigt dazu, ihre eigenen Positionen in den Vordergrund zu stellen, statt gemeinsam zu regieren.
Merz steht vor der Aufgabe, aus einer zerstrittenen Koalition eine handlungsfähige Regierung zu formen. Ob das klappt, zeigt sich nicht in Ankündigungen, sondern in echten Ergebnissen, die die Bürgerinnen und Bürger im Alltag merken.




