Digitales Entwicklungsland: Warum Deutschland technisch abgehängt ist – Ursachen, Folgen und Lösungen

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Deutschland galt mal als Land der Ingenieure und Tüftler. Heute ringt die Bundesrepublik darum, in Sachen Digitalisierung nicht völlig abgehängt zu werden. Mit einem Abhängigkeitswert von 0,82 bei digitalen Technologien überschreitet Deutschland die kritische Schwelle deutlich – das macht das Land anfällig gegenüber anderen Nationen.

Ein junger deutscher Berufstätiger in einem Büro wirkt besorgt, während er an einem veralteten Computer arbeitet, im Hintergrund eine Weltkarte mit Deutschland und anderen technologisch fortgeschrittenen Ländern.

Sie nutzen täglich Apps und Online-Services, aber fast nie stammen sie aus Deutschland. In Estland gründen Leute Firmen online in 15 Minuten. In Deutschland? Da dauert’s Wochen.

China setzt mit WeChat Maßstäbe, Südkorea hat das schnellste Internet der Welt, und die USA laufen mit ihren Tech-Giganten sowieso vorneweg. Im EU-Digitalisierungsindex dümpelt Deutschland nur im Mittelfeld herum.

Es fehlt an Glasfaser, und Digitalprojekte wie De-Mail sind gescheitert. Vier Prozent der Deutschen unter 74 Jahren waren noch nie online – während andere Länder längst komplett vernetzt sind.

Warum liegt Deutschland so weit zurück? Was bedeutet das für uns? Und wie könnte der Weg zurück an die Spitze aussehen? Ein Blick auf die Schwächen und den internationalen Vergleich bringt etwas Klarheit, auch wenn’s manchmal frustrierend ist.

Status Quo: Technologischer Rückstand Deutschlands

Ein nachdenklicher Geschäftsmann steht zwischen einem alten Computer und einem modernen Laptop in einem Büro, das den technologischen Rückstand Deutschlands zeigt.

Im EU-Digitalisierungsindex landet Deutschland auf Platz 13 von 27 Ländern. Während andere Staaten ihre Infrastruktur ausbauen, stagniert Deutschland mit gerade mal 15,4 Prozent Glasfaserabdeckung.

Internationale Rankings und Indizes

Der DESI-Index der EU-Kommission zeigt: Deutschland dümpelt im Mittelfeld. Platz 13 von 27 – das ist nicht gerade ein Grund zum Feiern.

Schaut man global, wird der Rückstand noch deutlicher. Die USA liegen weit vor dem EU-Schnitt. Auch Kanada, Japan und Israel haben Deutschland längst überholt.

China holt rasant auf und setzt Deutschland zusätzlich unter Druck. Besonders bitter: Die IKT-Wirtschaft trägt nur 4,37 Prozent zur deutschen Wertschöpfung bei – das liegt unter dem EU-Durchschnitt.

In den letzten zehn Jahren wuchs dieser Bereich gerade mal um 0,2 Prozentpunkte. Währenddessen überholen software- und datenorientierte Technologien den einstigen Hardware-Champion Deutschland.

Vergleich mit digitalen Vorreitern

Dänemark und Estland führen die Digitalisierung in Europa an. Dort fließt richtig Geld in Infrastruktur und E-Government.

Singapur gilt als globaler Digital-Champion mit komplett vernetzter Verwaltung. Die Schweiz punktet mit Fintech und digitaler Bildung.

Deutschland bleibt in allen Bereichen zurück. Gerade mal 49 Prozent der Deutschen verfügen über grundlegende digitale Kompetenzen. In den Vorreiterländern sind es über 70 Prozent.

Cloud Computing? Deutsche Unternehmen nutzen das viel seltener als internationale Konkurrenten. Startups aus Deutschland schaffen es selten auf die globale Bühne.

Breitband- und Glasfaserausbau

Beim Glasfaserausbau sieht’s düster aus. Nur 15,4 Prozent der Haushalte haben einen Glasfaseranschluss. Im EU-Schnitt sind es 50 Prozent.

Bleibt alles beim aktuellen Tempo, dann gibt’s in Deutschland erst 2070 flächendeckend Glasfaser. Das ist ehrlich gesagt viel zu spät für den digitalen Weltmarkt.

LandGlasfaserabdeckung
Deutschland15,4%
EU-Durchschnitt50%
Estland85%
Dänemark78%

Die 5G-Abdeckung sieht auf dem Papier gut aus. Aber für die Wirtschaft zählt am Ende der Breitbandausbau.

Mobile Netze können Glasfaser einfach nicht ersetzen. Unternehmen brauchen stabile, schnelle Festnetzanschlüsse, um digital durchstarten zu können.

Zentrale Ursachen des digitalen Rückstands

Ein Mann sitzt an einem Schreibtisch mit veralteter Computertechnik, im Hintergrund ist eine Mischung aus modernen und älteren Gebäuden einer deutschen Stadt zu sehen.

Drei große Probleme bremsen Deutschland aus: ein zersplitterter Föderalismus ohne klare Zuständigkeiten, chronisch zu wenig Geld für digitale Infrastruktur und eine Überregulierung, die Innovation abwürgt.

Diese Schwächen greifen ineinander und machen den digitalen Fortschritt fast unmöglich.

Strukturelle Defizite im Föderalismus

Die Bundesrepublik leidet unter extrem zersplitterten Zuständigkeiten zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Das verhindert einheitliche Standards und verzögert Projekte um Jahre.

Das Onlinezugangsgesetz ist ein Paradebeispiel. Obwohl schon 2017 beschlossen, scheitert die Umsetzung an unklaren Zuständigkeiten. Jedes Bundesland bastelt an eigenen Lösungen, statt gemeinsam voranzugehen.

Föderale Blockaden im Alltag:

  • 16 verschiedene Schulsysteme mit eigenen Digitalisierungsplänen
  • Getrennte Verwaltungsplattformen, die nicht miteinander reden
  • Doppelte Kosten, weil Projekte parallel laufen

Ein echtes Digitalministerium fehlt. Die Zuständigkeiten sind verteilt, und am Ende fühlt sich niemand wirklich verantwortlich. Die Bundesregierung schafft es so nicht, eine schlüssige Digitalstrategie durchzusetzen.

Fehlende Investitionen in Infrastruktur

Deutschland knausert bei der digitalen Grundausstattung. Das merkt man täglich: lahmes Internet, Funklöcher, veraltete Behörden-IT.

Beim Breitbandausbau hinkt Deutschland Jahre hinterher. Südkorea bietet flächendeckend Gigabit-Internet, während deutsche Unternehmen mit wackeligen Leitungen kämpfen. Das kostet am Ende Wettbewerbsfähigkeit.

Investitionsdefizite im Überblick:

  • Glasfaser erreicht nur 30% der Haushalte
  • 5G-Ausbau stockt, weil Standorte fehlen
  • Schulen haben oft schlechteres Internet als viele Privathaushalte

Der Staat spart an der falschen Stelle. Während andere Länder Milliarden investieren, kürzt Deutschland die Budgets. Der gestoppte Digitalpakt 2.0 für Schulen ist da nur ein trauriges Beispiel.

Private Investoren halten sich zurück, weil klare Regeln fehlen und Genehmigungen ewig dauern.

Regulierung und Bürokratie als Innovationsbremse

Die deutsche Bürokratie und übertriebene Regulierung legen der Digitalisierung Fesseln an. 45% der Bevölkerung sehen die strengen Datenschutzregeln mittlerweile als Hindernis.

Die DSGVO sollte eigentlich helfen, aber in Deutschland wird sie so streng ausgelegt, dass viele Digitalprojekte scheitern. Andere EU-Länder gehen pragmatischer vor.

Bürokratische Hürden, die nerven:

  • Monatelange Genehmigungen für einfache Apps
  • Komplizierte Ausschreibungen, die agile Entwicklung unmöglich machen
  • Datenschutz verhindert Open Access zu wichtigen Daten

Ein funktionierendes Innovationsministerium könnte hier wirklich helfen. Stattdessen kämpfen Unternehmen mit widersprüchlichen Vorgaben aus verschiedenen Ämtern.

Die Bundesregierung müsste endlich abwägen: Was schützt wirklich, was blockiert nur? Andere Länder zeigen, dass Datenschutz und Innovation zusammengehen – wenn man denn will.

Mangelnde Innovationskraft und Digitalisierung in der Wirtschaft

Deutschland verliert in wichtigen Innovationsbereichen an Boden. Die Wirtschaft kämpft mit fehlenden digitalen Kompetenzen, schwacher Start-up-Szene und stagnierender Forschung.

Fehlende digitale Kompetenzen

Viele deutsche Unternehmen haben ein echtes Problem mit digitalen Fähigkeiten. Besonders der Mittelstand bleibt bei moderner IT oft zurück.

Der Digitalisierungsindex 2024 zeigt: In fünf Jahren hat sich die deutsche Wirtschaft gerade mal um 14 Prozent digitaler entwickelt. In Ostdeutschland sind es nur 7,3 Prozent.

Probleme auf einen Blick:

  • Es fehlen IT-Fachkräfte
  • Bestehende Mitarbeiter werden kaum geschult
  • Viele Systeme sind veraltet
  • Digitale Strategien fehlen oft komplett

Die Wettbewerbsfähigkeit leidet, weil Firmen bei KI und Cloud-Computing zurückhängen. Im EU-Vergleich landet Deutschland bei digitalen Technologien wieder nur im Mittelfeld.

Tausende Mittelständler drohen den Anschluss zu verlieren. Der BDI warnt schon vor einem dauerhaften Verlust der Innovationskraft.

Schwache Start-up- und Investitionslandschaft

Deutschland fehlt eine lebendige Gründerszene mit genug Risikokapital. Die Innovationslandschaft kann mit anderen Ländern einfach nicht mithalten.

Venture Capital-Mangel: Deutsche Start-ups bekommen deutlich weniger Geld als ihre europäischen Nachbarn. Das vorhandene Risikokapital reicht hinten und vorne nicht.

Die Zahl der Neugründungen stagniert. Gerade im Technologiebereich entstehen zu wenig innovative Unternehmen.

Größte Hürden für Start-ups:

  • Bürokratie macht Gründungen kompliziert
  • Investoren sind zu vorsichtig
  • Etablierte Unternehmen unterstützen kaum
  • Forschung und Wirtschaft arbeiten zu wenig zusammen

Andere EU-Länder ziehen an Deutschland vorbei, wenn es um Start-up-Förderung geht. Die Innovationskraft schwindet, weil junge Unternehmen nicht genug Rückhalt bekommen.

Unzureichende Forschung und Patente

Deutsche Forschungseinrichtungen verlieren international an Bedeutung. Die Zahl wichtiger Patente sinkt, während andere Länder ihre Forschungsausgaben kräftig erhöhen.

Forschungsdefizite: Deutschland steckt zu wenig Geld in zukunftsweisende Technologien wie KI und Quantencomputing. Die Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Unternehmen läuft oft schleppend.

Bei Patentanmeldungen gerät Deutschland ins Hintertreffen. Besonders im Digitalbereich entstehen weniger innovative Lösungen als bei der Konkurrenz.

Die Innovationsfähigkeit leidet unter:

  • Zu kleinen Forschungsbudgets
  • Langsamen Genehmigungen
  • Fehlender Vernetzung zwischen Wissenschaft und Industrie
  • Brain Drain in andere Länder

So verliert die Wirtschaft wichtige Zukunftstechnologien an andere. Deutschland könnte vom Innovationsführer zum Nachzügler werden.

Digitale Verwaltung und öffentliche Infrastruktur

Die deutsche E-Government-Landschaft schneidet im internationalen Vergleich schwach ab. Strukturelle Probleme und das komplizierte föderale System bremsen die Digitalisierung der Behörden massiv.

Rückstand im E-Government

Deutschland hinkt bei der digitalen Verwaltung Ländern wie Estland und Finnland deutlich hinterher. Während dort Bürger fast alles digital erledigen, kämpfen deutsche Behörden immer noch mit Papierbergen.

Aktuelle Zahlen machen das Problem deutlich:

  • Nur 39% der Verwaltungsleistungen sind bundesweit online verfügbar
  • Im Schnitt stehen 227 OZG-Leistungen digital bereit (Stand Mai 2023)
  • Große regionale Unterschiede: In Hessen nutzen 81% den digitalen Weg, in Baden-Württemberg nur 54%

Der Digitalisierungsgrad schwankt stark zwischen den Bundesländern. Das macht es Bürgerinnen und Bürgern schwer, einheitliche digitale Services zu bekommen.

Schwierigkeiten bei Digitalisierung der Behörden

Deutsche Behörden kämpfen mit komplexen Strukturen. Die föderalen Zuständigkeiten erschweren eine einheitliche Digitalisierung.

Hauptprobleme:

  • Schlechte Koordination zwischen Bund, Ländern und Kommunen
  • Veraltete IT-Systeme
  • Fehlende Standards für digitale Produkte
  • Schwache Cloud-Infrastrukturen

Das EfA-Prinzip (Einer-für-Alle) bringt wenig. Mehr Onlinedienste gibt es zwar, aber mehr Menschen nutzen sie trotzdem nicht.

Die Unterschiede zwischen Stadtstaaten und Flächenstaaten fallen besonders auf. In Stadtstaaten klappt digitale Verwaltung deutlich einfacher als in Bundesländern mit vielen Landkreisen.

Probleme bei der Umsetzung von Digitalprojekten

Digitalprojekte in der deutschen Verwaltung stoßen auf viele Hürden. Obwohl das Angebot steigt, stagniert die Nutzung durch die Bevölkerung.

Zentrale Hürden:

  • Komplizierte Beschaffungsprozesse verzögern Projekte
  • Mangelnde Zusammenarbeit zwischen Verwaltungsebenen
  • Kaum Verknüpfung bestehender Angebote
  • Viele digitale Services sind nicht nutzerfreundlich

Bei Basiskomponenten wie eID und E-Payment sieht man Fortschritte. Immer mehr Menschen nutzen diese grundlegenden Tools.

Partizipationsangebote wie Mängelmelder werden beliebter. Bürgerinnen und Bürger zeigen, dass sie digitale Verwaltungsangebote nutzen möchten – wenn diese einfach bedienbar sind.

Die Herausforderung besteht darin, Hürden abzubauen und neue Nutzergruppen zu gewinnen.

Künstliche Intelligenz als Innovationsfeld – Potenziale und Defizite

Deutschland hat eine starke Forschungsbasis bei künstlicher Intelligenz. Beim Transfer in die Praxis hinkt das Land aber hinterher. Andere Länder preschen bei generativer KI vor, während Deutschland mit Datenschutz und fehlender Umsetzung kämpft.

Internationale KI-Entwicklung im Vergleich

Deutschland punktet in der KI-Forschung, vor allem bei maschinellem Lernen. Wissenschaftler erzielen hier wirklich beachtliche Ergebnisse.

Aber bei der praktischen Anwendung bleibt Deutschland zurück. Analysen zeigen: Als Anbieter von KI-Lösungen ist Deutschland international kaum sichtbar.

Die Zahlen sprechen für sich:

  • USA und China dominieren den KI-Markt
  • Nur wenige deutsche KI-Unternehmen haben globale Reichweite
  • Der Technologietransfer von Forschung in die Wirtschaft stockt

Die Bundesregierung versucht gegenzusteuern. Bis 2025 fließen 5 Milliarden Euro in die KI-Förderung. Der Schwerpunkt liegt auf Transfer, Qualifikation und Datenverfügbarkeit.

Internationale Kooperationen wie die Global Partnership on AI sollen helfen. Aber die Konkurrenz schläft nicht.

Generative KI und aktuelle Trends

ChatGPT und andere generative KI-Systeme haben 2023 einen Boom ausgelöst. Sie verändern, wie Menschen mit Computern arbeiten.

Deutschland hinkt auch hier hinterher. US-Unternehmen wie OpenAI dominieren den Markt. Deutschland entwickelt keine eigenen Alternativen.

Die Trends sind klar:

  • Sprachmodelle werden immer besser
  • Automatisierung erreicht neue Bereiche wie Kreativität und Beratung
  • Integration in bestehende Software wird zum Standard

Deutsche Unternehmen verlassen sich auf ausländische KI-Lösungen. Das macht sie abhängig von fremden Technologien und Datenschutzstandards.

Besonders kritisch: Viele generative KI-Systeme laufen auf Servern außerhalb Europas. Die Kontrolle über sensible Daten wird dadurch schwierig.

Relevanz von Datennutzung und Datenschutz

Künstliche Intelligenz braucht Daten. Je mehr gute Daten, desto besser die Systeme.

Hier liegt Deutschlands größtes Problem. Der Zugang zu nutzbaren Daten ist stark eingeschränkt. Strenge Datenschutzgesetze machen die Entwicklung von KI schwer.

Die DSGVO schützt zwar die Privatsphäre. Sie bremst aber Innovationen aus:

Vorteile DSGVONachteile für KI
Schutz der PrivatsphäreEingeschränkte Datennutzung
Transparenz bei DatenverarbeitungKomplizierte Genehmigungen
Nutzerrechte gestärktHohe Compliance-Kosten

Der Spagat zwischen Datenschutz und Innovation gelingt nicht. Andere Länder sammeln riesige Datenmengen und trainieren damit bessere KI-Systeme.

Deutschland muss einen Weg finden, Datenschutz zu wahren und trotzdem Daten für KI nutzbar zu machen. Vielleicht helfen Anonymisierung oder synthetische Daten.

Gesellschaftliche Folgen und regionale Unterschiede

Deutschlands digitale Rückständigkeit zeigt sich besonders deutlich in der ungleichen Verteilung digitaler Chancen. Verschiedene Regionen und Gruppen haben sehr unterschiedliche Möglichkeiten. Diese Unterschiede verschärfen soziale Ungleichheiten und schaffen neue Herausforderungen für Arbeitsmarkt und Bildung.

Digitale Spaltung zwischen Regionen und Gruppen

Die digitale Kluft in Deutschland folgt einem klaren geografischen Muster. Baden-Württemberg und Bayern stehen beim Digitalisierungsindex ganz vorn, während im Osten wie Sachsen Nachholbedarf herrscht.

Mehrere Faktoren führen zu diesen Unterschieden:

  • Finanzen: Reichere Regionen investieren mehr in digitale Infrastruktur
  • Technik: Stadt und Land haben unterschiedlich guten Netzausbau
  • Innovation: Süddeutsche Bundesländer bieten mehr Forschungsaktivitäten

Im Osten erreichen nur drei Bereiche durchschnittliche Werte: Produkte, technische Infrastruktur und Innovationslandschaft. Bei allen anderen digitalen Themen bleibt die Region zurück.

Besonders schwierig ist die exponentielle Entwicklung der Digitalisierung. Regionen, die schon gut aufgestellt sind, bauen ihren Vorsprung schneller aus als schwächer entwickelte Gebiete.

Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

Die digitale Spaltung verändert den deutschen Arbeitsmarkt. Viele klassische Jobs verschwinden, neue digitale Berufe entstehen.

Gewinner sind Regionen mit starker Industrie 4.0. Baden-Württemberg profitiert von Automobilindustrie und Maschinenbau. Dort entstehen viele Jobs in Softwareentwicklung und Datenanalyse.

Verlierer sind strukturschwache Regionen ohne gute digitale Infrastruktur. Hier fehlen schnelle Netze und Unternehmen, die digitale Arbeitsplätze bieten.

Die Corona-Pandemie hat diese Trends noch verstärkt. Homeoffice und digitale Prozesse setzten sich durch – aber eben nur dort, wo die Technik es zuließ. Regionen ohne gute Digitalisierung verloren weiter an Attraktivität für Fachkräfte und Unternehmen.

Herausforderungen für Bildung und Kompetenzen

Deutschlands Bildungssystem tut sich schwer mit der digitalen Transformation. Digitale Kompetenzen sind heute Grundvoraussetzung, aber ihre Vermittlung schwankt stark zwischen den Regionen.

Strukturelle Probleme bremsen den Fortschritt:

  • Veraltete Schulausstattung
  • Lehrkräftemangel bei digitalen Fächern
  • Unterschiedliche Standards zwischen den Ländern

Ältere Arbeitnehmer und Menschen mit geringer Qualifikation sind besonders betroffen. Sie haben oft keinen Zugang zu digitaler Weiterbildung und laufen Gefahr, vom Arbeitsmarkt abgehängt zu werden.

Sachsen zeigt, dass regionale Politik helfen kann. Das Bundesland investiert gezielt in digitale Bildungsangebote und hat seine Position beim Digitalisierungsindex verbessert.

Die Unterschiede zwischen Nord- und Süddeutschland werden bei Forschung und Innovation besonders deutlich. Nur die südlichen Bundesländer erreichen hier überdurchschnittliche Werte.

Wege aus dem digitalen Entwicklungsland

Deutschland kann mit gezielten Maßnahmen und guten Beispielen aus dem Ausland aufholen. Erfolgreiche Strategien anderer Länder liefern konkrete Ideen für Infrastruktur, Bildung und Verwaltung.

Erfolgsbeispiele aus dem Ausland

Lettlands ganzheitliche Digitalstrategie zeigt ziemlich eindrucksvoll, wie umfassende Digitalisierung aussehen kann. Das Land hat satte 900 Millionen Euro in seine „Information Society Development Guidelines 2014-2020“ gesteckt.

Ministerien, Wirtschaftskammern und IT-Unternehmen haben dabei an einem Strang gezogen. Besonders die digitale Infrastruktur im ländlichen Raum stand im Mittelpunkt.

Irlands „Skills to Advance“ liefert ein echtes Vorbild für digitale Bildung. Das Programm richtet sich gezielt an ältere Arbeitnehmer und Menschen mit weniger Qualifikationen.

16 regionale Bildungseinrichtungen bieten flexible Online- und Präsenzkurse an. Der Staat übernimmt bis zu 70 Prozent der Kosten für Unternehmen.

2020 steckte Irland 6,3 Millionen Euro in das Programm und unterstützte damit 3.000 Teilnehmer. Das ist schon eine Ansage.

Frankreichs „FranceConnect“ hat die digitale Verwaltung ordentlich umgekrempelt. Mit nur einer Registrierung greifen Nutzer auf über 1.400 Verwaltungsdienste zu.

Schon 43 Millionen Franzosen verwenden diese Plattform. Das ist wirklich beeindruckend.

Großbritannien hat mit seiner „Regulatory Sandbox“ die digitale Innovation im Finanzsektor ordentlich angeschoben. Start-ups testen dort neue Geschäftsmodelle unter Aufsicht, ohne gleich alle Regulierungen erfüllen zu müssen.

Empfehlungen für Politik und Wirtschaft

Für die Politik:

  • Gründen Sie lieber ein zentrales Innovationsministerium als nur ein Digitalministerium.
  • Entwickeln Sie eine bundesweite Digitalisierungsstrategie mit klaren Zuständigkeiten.
  • Investieren Sie kräftig in den Breitbandausbau, gerade auf der „letzten Meile“.

Modernisierung der Verwaltung bleibt ein echtes Muss. Nur 29 Prozent der deutschen Institutionen nutzen moderne KI-Lösungen, während 95 Prozent der internationalen Experten deren Vorteile längst sehen.

Das Verständnis für Datenschutz braucht dringend Vereinfachung. Die aktuelle, eher rückwärtsgewandte Digitalpolitik bremst Innovationen unnötig aus.

Für Unternehmen:

  • Setzen Sie Big Data und maschinelles Lernen konsequenter ein.
  • Investieren Sie mehr in die digitale Weiterbildung Ihrer Mitarbeiter.
  • Entwickeln Sie neue digitale Produkte und Services.

Forschungskooperationen gehören gefördert. Der Rückgang bei F&E-Partnerschaften schwächt Deutschlands Innovationskraft.

Branchen, die bisher hinterherhinken, dürfen nicht länger abgehängt bleiben. Die digitale Spaltung zwischen Vorreitern und Nachzüglern schadet am Ende der gesamten Wirtschaft.

Potenzial der digitalen Transformation

In Deutschland steckt noch jede Menge ungenutztes digitales Potenzial. 2024 kletterte der Digitalisierungsindex auf 113,6 Punkte, das sind immerhin fünf Punkte mehr als zuvor.

Der Umsatz mit digitalen Produkten legt besonders stark zu. Immer mehr Unternehmen stoßen durch digitale Innovation auf neue Geschäftsfelder.

Die digitale Transformation kann Deutschland dabei unterstützen, effizientere Herstellungsprozesse zu entwickeln. Außerdem eröffnen sich dadurch neue Märkte.

Sie hilft auch, die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Und mal ehrlich, ohne digitale Lösungen werden wir die Klimaziele kaum erreichen.

Künstliche Intelligenz bringt riesige Chancen mit sich. Damit deutsche Unternehmen international mithalten können, sollten sie KI-Technologien viel schneller einsetzen.

Digitale Bildung wird immer wichtiger. Flexible Weiterbildungen helfen, den Mangel an IT-Fachkräften ein Stück weit abzufedern.

Die Startup-Förderung braucht dringend frische Ideen. Regulatory Sandboxes könnten innovative Geschäftsmodelle auch in streng regulierten Branchen ermöglichen.

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Anna Weigand
Anna Weigand

Anna ist eine Tech-Journalistin mit Fokus auf digitale Rechte und Cybersicherheit. Sie deckt Datenskandale und versteckte Überwachungspraktiken auf.